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Lüftungskonzept beim Fenstertausch, Pflicht, Kosten und BAFA

Beim Fenstertausch ist das Lüftungskonzept der häufigste Streitpunkt. Wer mehr als ein Drittel der Fenster austauscht, ist verpflichtet, ein Konzept nach DIN 1946-6 zu erstellen. Diese Themenseite erklärt die Drittel Regel, die BAFA Anforderungen, typische Kosten und den Ablauf bis zum prüffähigen Nachweis.

Die Drittel Regel im Detail

Der häufigste Auslöser für ein Lüftungskonzept ist der Fenstertausch über ein Drittel. Was klingt wie eine einfache Regel, hat in der Praxis viele Stolpersteine. Bezugsgröße, Zeitraum, Wohneinheit oder Gebäude. Die DIN 1946-6 legt klar fest, was zu beachten ist, doch im Alltag entstehen Missverständnisse zwischen Eigentümer, Handwerker und Förderstelle. Hintergründe zu Feuchteschutz und Außenluftdurchlässen ergänzen das Bild.

Was zählt als Fenstertausch

Bezugsgröße ist die Anzahl der Fenster, nicht die Glasfläche. Ein Fenster mit zwei Flügeln zählt als ein Fenster. Nicht jeder Tausch zählt: reine Reparaturen am Rahmen lösen keine Pflicht aus, wohl aber der Komplettaustausch inklusive Blendrahmen. Die DIN 1946-6 spricht von einem wesentlichen Eingriff in die Gebäudehülle. Damit fallen auch Maßnahmen darunter, die zwar nur Glasflächen austauschen, aber die alte Infiltration über die Fugen beenden.

Was das GModG beim Fenstertausch verlangt

Die Drittel Regel stammt aus DIN 1946-6. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, bis Juli 2026 Gebäudeenergiegesetz GEG) verlangt beim Fenstertausch kein Lüftungskonzept, sondern Wärmeschutz: Neue Fenster dürfen nach § 36 mit Anlage 7 einen Uw von 1,3 W/(m²K) nicht überschreiten, Dachflächenfenster 1,4 W/(m²K). Ausgenommen sind Änderungen an höchstens 10 Prozent der Fensterfläche des Gebäudes. Für die Förderung gelten strengere Werte, siehe BAFA Förderung.

Wie ein Drittel berechnet wird

Bei zwölf Fenstern reicht der Tausch von fünf Fenstern, um über dem Schwellwert zu liegen. Bei sechs Fenstern bereits drei. Wer die Berechnung selbst nachstellen möchte, dokumentiert Anzahl vor und nach dem Tausch im Beispieldokument. Die Berechnung erfolgt gebäudebezogen, nicht wohnungsbezogen. Im Mehrfamilienhaus zählen also alle Fenster über alle Wohneinheiten zusammen, der Schwellwert greift einheitlich.

Stolperstein Teilstränge

Wer im Treppenhaus zehn Fenster tauscht, in den Wohnungen aber keine, kommt schnell unter den Schwellwert. Im Konzept fließen diese Bezüge offen ein. Die DIN 1946-6 verweist auf die Gesamtanzahl je Gebäude. In der Praxis hilft es, die Fenster als Liste mit Wohneinheit, Raum und Baujahr zu erfassen. So bleibt die Berechnung auch nach Jahren klar belegbar.

Sanierung in Etappen

Wer den Tausch über mehrere Jahre verteilt, denkt manchmal, die Pflicht entfalle dadurch. Maßgeblich ist jedoch der bauphysikalische Effekt auf die Hülle. Sobald die Summe aller Maßnahmen den Schwellwert übersteigt, wird das Konzept fällig. Im Zweifelsfall erstellt ein Fachplaner eine Risikobewertung, die auch ohne formale Pflicht klärt, ob Schäden drohen.

Was kostet das Konzept beim Fenstertausch

Die Kosten hängen stark von Gebäudegröße und Datenlage ab. Online kostet das Konzept für Einfamilienhäuser ab 149 Euro, vor Ort ab 350 Euro. Mehrfamilienhäuser bis sechs Wohneinheiten kosten online ab 290 Euro, vor Ort ab 650 Euro. Bei größeren Beständen liegt die Spanne darüber.

VariantePreisLieferzeitGeeignet für
Online EFHab 149 Eurofünf WerktageEinfamilienhaus, Reihenhaus
Online MFH bis sechs Wohnungenab 290 Eurosieben WerktageMehrfamilienhaus klein
Vor Ort EFHab 350 Eurozwei WochenAltbau ohne digitale Pläne
Vor Ort MFHab 650 Eurodrei WochenMehrfamilienhaus mittlere Größe
Großes MFH oder Quartierab 1.500 Eurodrei bis vier Wochenab acht Wohneinheiten

Was den Preis beeinflusst

Drei Faktoren prägen die Spanne. Erstens die Gebäudegröße mit der Anzahl der Wohneinheiten. Zweitens der Detailgrad der Pläne, weil Vor Ort Aufnahmen Aufwand erzeugen. Drittens die geforderte Auslegungstiefe, etwa wenn neben dem Konzept auch die Anlage ausgelegt werden soll. Mehr unter Kosten.

Wann sich Vor Ort lohnt

Bei Altbauten ohne digitale Pläne, bei komplexer Geometrie oder wenn die Bausubstanz unklar ist. Vor Ort Termine klären schwer dokumentierbare Punkte direkt. Bei Reihenhäusern und typischen Bestandsbauten reicht in der Regel die Datenaufnahme online.

Förderfähigkeit der Konzeptkosten

In der BEG Einzelmaßnahme gilt: Fachplanung und Baubegleitung durch einen Energieeffizienz Experten werden mit 50 Prozent gefördert, förderfähige Ausgaben höchstens 5.000 Euro im Ein und Zweifamilienhaus, 2.000 Euro je Wohneinheit im Mehrfamilienhaus ab drei Wohneinheiten, insgesamt höchstens 20.000 Euro. Der iSFP Bonus gilt für die Fachplanung nicht.

BAFA Förderung beim Fenstertausch

Beim Fenstertausch über die BEG Einzelmaßnahme ist das Lüftungskonzept Pflichtbestandteil. Es wird gemeinsam mit der Technischen Projektbeschreibung beim BAFA eingereicht. Ohne Konzept kein Zuschuss. Die Förderung beträgt 15 Prozent der förderfähigen Kosten, mit individuellem Sanierungsfahrplan 5 Prozentpunkte zusätzlich auf den Teil über 30.000 Euro, wenn mindestens 30.000 Euro brutto investiert werden.

Pflichtbestandteile für die Förderung

Das Konzept enthält Notwendigkeitsprüfung, Verfahrenswahl, Auslegung der Komponenten und Bilanz je Wohneinheit. Ohne diese Bestandteile lehnt das BAFA den Antrag ab. Tiefe Vertiefung unter BAFA Förderung. Wichtig ist außerdem die Anlage der Datenblätter aller Komponenten und die Unterschrift des Ausstellers auf dem Deckblatt.

Zuschussquote 2026

Aktuell 15 Prozent für die Einzelmaßnahme Fenster. Ein Sanierungsfahrplan bringt 5 Prozentpunkte zusätzlich, aber nur auf die Ausgaben über 30.000 Euro und nur bei einer Investition ab 30.000 Euro brutto. Die Antragstellung erfolgt vor Beauftragung der Handwerksleistung. Höchstgrenze der förderfähigen Ausgaben im Kalenderjahr: 30.000 Euro für die erste Wohneinheit, je 15.000 Euro für die zweite bis sechste und je 8.000 Euro ab der siebten, mit iSFP Bonus 60.000, 30.000 und 15.000 Euro.

Energieeffizienzexperte einbinden

Ein zugelassener Experte muss die BzA Bestätigung für den Antrag erstellen. Sein Dokument greift auf das Lüftungskonzept zurück. Wer beides aus einer Hand beauftragt, vermeidet Datenbrüche. Die Liste der zugelassenen Experten führt die Deutsche Energie Agentur.

Kombination mit anderen Programmen

Die BEG Einzelmaßnahme schließt eine Kombination mit der KfW Förderung 261 für Komplettsanierungen aus, sofern dieselbe Maßnahme gefördert wird. Eine Doppelförderung ist unzulässig. Bei mehreren Einzelmaßnahmen lassen sich die Zuschüsse jedoch addieren, etwa Fenster und Heizung im selben Jahr.

Welches Verfahren passt beim Fenstertausch

Beim Fenstertausch dominiert die freie Lüftung mit Außenluftdurchlässen. Sie ist günstig, stromfrei und im Bestand schnell umsetzbar. Anlagen kommen zum Einsatz, wenn höhere Komfortansprüche oder schwierige Lagen vorliegen. Die Verfahrensauswahl steht im Konzept und ist begründet.

Freie Lüftung mit ALD

Standardlösung. ALD im Schlafzimmerfenster und im Wohnraum, ergänzt durch Schachtlüftung im Bad. Investition gering, keine laufenden Stromkosten, keine Wartung außer Filterwechsel. Geeignet für Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und kleine Mehrfamilienhäuser.

Abluftanlage

Mechanische Abluft in Bad und Küche, ALD als Zuluft. Mittlere Investition, dauerhafter Stromaufwand 15 bis 40 W. Geeignet im Mehrfamilienhaus oder bei lärmintensiver Lage. Wartung von Filtern halbjährlich erforderlich.

Zu Abluft mit WRG

Komfortlösung mit Wärmerückgewinnung. Höchste Investition, geeignet bei dichten Hüllen und hohem Heizbedarf. Wärmerückgewinnung bis zu 90 Prozent, dadurch wirtschaftlich bei Effizienzhaus Stufen ab 55.

Beispiel Fenstertausch Wohnung

Beispiel mit Annahmen: Wohnung in einem Mehrfamilienhaus aus den Siebzigerjahren, rund 74 m² Wohnfläche, drei Zimmer, sieben Fenster. Alle Fenster werden im Rahmen der BEG Einzelmaßnahme getauscht. Das Beispiel zeigt den Ablauf von der Datenaufnahme bis zur Auszahlung.

Datenaufnahme

Grundriss als PDF, Fensterliste mit Maßen, Fotos vom Bestand. Datenlage gut, kein Vor Ort Termin nötig. Die Liste enthält alle sieben Fenster mit Raum, Maß, Glasart und Baujahr. Ergänzend kommen die Datenblätter der geplanten Fenster mit Uw Wert hinzu.

Berechnung

Vereinfachtes Verfahren nach DIN 1946-6. Feuchteschutz 30 m³/h, Reduzierte Lüftung 70 m³/h, Nennlüftung 100 m³/h, Intensivlüftung 130 m³/h. Bilanzierung von Zu und Abluft für die Wohnung mit klarer Zuordnung der Durchlässe und der Abluft in Bad und Küche.

Ergebnis

Empfehlung freie Lüftung mit Außenluftdurchlässen in Schlaf und Wohnzimmer, Abluft in Bad und Küche. Das Konzept kostet online ab 149 Euro und liegt in fünf Werktagen vor. Fenster und Lüftungstechnik werden mit 15 Prozent gefördert, ausgezahlt wird nach Prüfung des Verwendungsnachweises.

Worauf es ankommt

Naheliegend ist die Überlegung, nur zwei Fenster zu tauschen, um unter dem Schwellwert von einem Drittel zu bleiben. Das löst das Feuchterisiko an der Außenwand des Schlafzimmers aber nicht, denn auch wenige dichte Fenster verringern den Luftwechsel. Ob sich der Komplettaustausch über die Heizkosten rechnet, hängt von Energiepreis und Ausgangszustand ab.

Vier häufige Fehler beim Fenstertausch

Die häufigsten Stolpersteine in der Beratung. Wer sie kennt, vermeidet Nacharbeit und Förderverlust.

  1. 01

    Antrag ohne Konzept

    BAFA verweigert die Förderung. Das Konzept liegt vor Beauftragung vor und ist Anlage zur Technischen Projektbeschreibung.

  2. 02

    Drittel Regel falsch berechnet

    Bezugsgröße ist die Anzahl der Fenster, nicht die Glasfläche. Bei Mehrfamilienhäusern zählen alle Fenster gebäudeweise.

  3. 03

    Stoßlüftung als Ersatz

    Stoßlüftung deckt nur die Intensivlüftung ab, nicht den Feuchteschutz. Niemand kann nutzerunabhängig alle vier Stunden lüften.

  4. 04

    ALD vergessen einzubauen

    Konzept war korrekt, Umsetzung lückenhaft. Nach dem Tausch tritt Schimmel auf, weil keine ALD montiert wurde. Die Bauüberwachung ist Teil der Qualitätssicherung.

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Zur BAFA Förderung

Sie wissen, wann das Lüftungskonzept beim Fenstertausch Pflicht ist. Im nächsten Schritt sehen Sie die Anforderungen der BAFA Förderung im Detail.

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FAQ Lüftungskonzept beim Fenstertausch

Wann ist beim Fenstertausch ein Lüftungskonzept Pflicht?

Ab dem Tausch von mehr als einem Drittel der Fenster eines Gebäudes. Bei kleineren Maßnahmen entfällt die Pflicht, eine freiwillige Risikobewertung schadet jedoch nicht.

Welche Kosten fallen typisch an?

Online ab 149 Euro für ein Einfamilienhaus, vor Ort ab 350 Euro. Mehrfamilienhäuser ab 290 Euro, je nach Größe.

Reicht ein Konzept ohne BAFA Bezug?

Wenn keine Förderung beantragt wird, entfällt die formale Pflicht zur BAFA Einreichung. Der Nachweis bleibt sinnvoll, weil er Streit mit Mietern oder Versicherung verhindert.

Wie schnell liegt das Konzept vor?

Online im Schnitt fünf Werktage, vor Ort zwei bis drei Wochen je nach Verfügbarkeit der Daten.

Gilt die Pflicht auch im Mehrfamilienhaus?

Ja, die Drittel Regel bezieht sich auf das gesamte Gebäude. Im Mehrfamilienhaus rechnet das Konzept jede Wohneinheit getrennt aus.

Über den Autor

Burak Uzun

Betreiber, redaktionelle Verantwortung · Köln

Verantwortlich für Recherche und Aufbereitung der Inhalte zum Lüftungskonzept nach DIN 1946-6, Feuchteschutz, reduzierter Lüftung und Nennlüftung sowie nach DIN EN 16798-3 für Nichtwohngebäude.

Anbieter und Impressum Kontakt Stand: 26. Oktober 2026
Methodik

Über diese Inhalte, Quellen und Aktualisierung

Quellenbasis
  • DIN 1946-6 Wohnungslüftung
  • DIN EN 16798-3 Lüftung von Nichtwohngebäuden
  • BEG EM Förderlogik für Lüftungsanlagen
Aktualisierung

Inhalte werden überprüft, wenn sich Vorschriften, Normen oder Förderlogik ändern. Stand dieser Seite: 26. Oktober 2026.

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