Pflicht im Neubau
DIN 1946-6 verlangt im Neubau eine vollständige Auslegung aller vier Lüftungsstufen. Es gibt keine Schwellwertregel wie im Bestand. Auch sehr kleine Wohngebäude mit zwei Wohneinheiten unterliegen der Pflicht. Im Detail unterscheidet sich der Neubau vom Altbau durch das genaue Berechnungsverfahren und die häufige Wahl einer Anlage mit Wärmerückgewinnung. Vertiefung im Einfamilienhaus und zur Förderung. Glossar Wärmerückgewinnung und Luftdichtheit.
Was die Norm konkret fordert
Berechnung Feuchteschutz, reduzierte Lüftung, Nennlüftung und Intensivlüftung. Dazu Verfahrenswahl, Auslegung der Komponenten und Bilanz je Wohneinheit. Im Neubau wird üblich das genaue Verfahren angewendet, weil Geometrie und Belegung präzise vorliegen.
Bezug zum GModG
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, bis Juli 2026 Gebäudeenergiegesetz GEG) schreibt kein Lüftungskonzept vor. Es verlangt in § 13 eine dauerhaft luftdichte Hülle und lässt Vorschriften zum Mindestluftwechsel unberührt. Wird die Dichtheit gemessen, gelten nach § 26 höchstens n50 3,0 h⁻¹ ohne und 1,5 h⁻¹ mit Lüftungsanlage. Nur mit diesem Nachweis darf die Wärmerückgewinnung nach § 28 in der Energiebilanz angerechnet werden. Bei Bauantrag ab 1. Januar 2027 wird nach DIN/TS 18599: 2025-10 gerechnet, das neue Referenzgebäude setzt eine nicht bedarfsgeführte Abluftanlage an. Das Konzept liefert die Datengrundlage und verzahnt sich mit dem Energieausweis.
Bauantrag und Konzept
Manche Bauordnungen der Länder verlangen das Konzept als Anlage zum Bauantrag. Im Zweifel hilft eine Rücksprache mit der zuständigen Bauaufsicht. Die Praxis variiert nach Bundesland.
KfW Effizienzhaus und Lüftung
In den KfW Programmen 297 und 298 (Klimafreundlicher Neubau) gehört das Lüftungskonzept zu den Unterlagen des Energieeffizienz Experten. Die Effizienzhaus Stufen geben Anhalt zur Anlagenwahl. Bei höheren Stufen wird die mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung in der Praxis Standard.
| Stufe | Üblich Verfahren | Wärmerückgewinnung | Investition Anlage, Orientierung |
|---|---|---|---|
| EH 70 EE | Abluftanlage oder Zu Abluft | optional | ab rund 5.000 Euro |
| EH 55 EE | Zu Abluft mit WRG | ja, ≥ 80 Prozent | ab rund 5.000 Euro |
| EH 40 EE | Zu Abluft mit WRG | ja, ≥ 85 Prozent | ab rund 5.000 Euro |
| EH 40 NH | Zu Abluft mit WRG, Quartiersanlage | ja, ≥ 85 Prozent | objektabhängig, nach Planung |
Drei typische Anlagenkonzepte
Im Neubau dominieren drei Anlagenkonzepte. Die Wahl richtet sich nach Effizienzhaus Stufe, Komfortanspruch und Architektur.
Zentrale Zu Abluft
Ein Gerät versorgt alle Wohnungen über Kanalsystem. Höchster Komfort, höchste Investition. Standard im Mehrfamilienhaus mit zentraler Anlagentechnik.
Wohnungszentrale Zu Abluft
Ein Gerät je Wohnung im EFH oder MFH. Geringerer Kanalaufwand, individuelle Steuerung. Beliebt im Einfamilienhaus mit gehobenem Anspruch.
Dezentrale Geräte mit WRG
Wandeinbau, raumweise. Schnelle Nachrüstung, geringer Komfort gegenüber zentraler Lösung. Vorteil bei beengten Verhältnissen.
Auslegung im Neubau
Die Auslegung folgt dem genauen Verfahren. Eingang sind Geometrie, Personenzahl, Belegung, thermische Bedingungen und das geplante Anlagenkonzept.
Volumenströme
Eine 120 m² Wohnung benötigt im Standard rund 130 m³/h Nennlüftung. Bei vier Personen steigt der Wert auf 150 m³/h. Belastete Innenräume wie Hauswirtschaftsraum erhöhen die Bilanz weiter. Die Auslegung erfolgt raumweise und summiert sich je Wohnung.
Bilanzierung
Zu und Abluft müssen sich je Wohnung ausgleichen. Disbalance führt zu Druckunterschieden. Im Konzept steht die Bilanz tabellarisch. Üblich sind Toleranzen unter zehn Prozent zwischen Zu und Abluft.
Schalldämpfer und Akustik
Schallübertragung zwischen Räumen wird über Telefonieschalldämpfer gemindert. Im Mehrfamilienhaus zwischen Wohnungen Pflicht, im EFH zwischen Schlafräumen empfohlen. Schallpegel im Schlafzimmer unter 25 dB(A) Standard.
Beispiel Effizienzhaus 55
Beispiel mit Annahmen: Einfamilienhaus mit rund 142 m², Effizienzhaus 55, drei Schlafzimmer, zwei Bäder, gehobene Ausstattung mit Wärmerückgewinnung.
Anforderung
Wärmerückgewinnung min. 80 Prozent, geprüft nach DIN EN 13141. Auslegung im genauen Verfahren mit raumweiser Volumenstrombilanz. Schallpegel Schlafzimmer unter 25 dB(A).
Lösung
Wohnungszentrale Zu Abluft mit WRG, Volumenstrom 145 m³/h Nennlüftung. Lüftungsanlage im Beispiel mit 16.500 Euro angesetzt, Lüftungskonzept 290 Euro, Inbetriebnahme inklusive Einregulierung. Telefonieschalldämpfer in den Wohnungstrennwänden.
Förderung
Für den Neubau fördert die KfW über die Programme 297 und 298 (Klimafreundlicher Neubau) mit einem zinsgünstigen Kredit bis 150.000 Euro, abhängig von Effizienzhaus Stufe und QNG. Ob ein Effizienzhaus 55 die Anforderungen erfüllt, vor dem Antrag auf kfw.de prüfen. Das Lüftungskonzept geht als Unterlage an den Energieeffizienzexperten. KfW 261 ist ein Programm für die Sanierung, nicht für den Neubau.
Vier häufige Fehler im Neubau
Typische Fehler im Überblick.
- 01
Anlage zu klein ausgelegt
Sparlogik schlägt zu, Volumenstrom reicht nicht für alle Räume. Nachträgliche Erweiterung teuer.
- 02
Wärmebrücken am Außenanschluss
Dichtbänder und Wärmedämmung des Außenanschlusses werden vergessen. Tauwasser am Bauteil.
- 03
Schalldämpfer fehlen
Nachhall und Übersprechen zwischen Räumen. Telefonieschalldämpfer in jeder Wohnungstrennwand.
- 04
Wartungsplan nicht hinterlegt
Filter werden nie gewechselt. Konzept enthält Wartungsintervalle als Pflichtteil.
Wirtschaftlichkeit der Anlagen
Die Wahl der Anlage wirkt sich über 20 Jahre Lebensdauer aus. Investition, Stromverbrauch, Wartung und Heizkostenersparnis gehören zur Bilanz. Die Wärmerückgewinnung amortisiert sich im Effizienzhaus 55 in zwölf bis fünfzehn Jahren.
Stromaufwand
Zu Abluft mit WRG verbraucht 30 bis 80 W dauerhaft. Bei kontinuierlichem Betrieb sind das 260 bis 700 kWh pro Jahr. Bei 30 Cent je kWh ergeben sich 80 bis 210 Euro pro Jahr.
Heizkostenersparnis
Wärmerückgewinnung von 85 Prozent senkt den Lüftungswärmeverlust deutlich. Bei einem Effizienzhaus 55 sind das im Schnitt 600 bis 900 Euro pro Jahr im Vergleich zu freier Lüftung.
Wartungskosten
Filtertausch und Anlagenwartung kosten jährlich ab rund 180 Euro. Hygieneprüfung alle drei Jahre noch einmal ab rund 250 Euro. Im Konzept werden die Kosten transparent dokumentiert.
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Ein Gerät, Kanalnetz, Schall, Wartung und Fördervoraussetzungen.
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Ist im Neubau immer ein Konzept Pflicht?
Ja. Die Norm verlangt eine vollständige Auslegung ohne Schwellwert.
Welche Anlage passt am besten?
Im Neubau dominieren Zu Abluftanlagen mit Wärmerückgewinnung, im EFH oft wohnungszentral, im MFH oft zentral.
Was kostet die Anlage?
Als Orientierung ab rund 5.000 Euro inklusive Einbau, je nach Effizienzhaus Stufe und Größe deutlich mehr. Das Konzept kostet online ab 149 Euro im Einfamilienhaus und ab 290 Euro im Mehrfamilienhaus.
Welche Wärmerückgewinnung ist üblich?
Mindestens 80 Prozent, im Effizienzhaus 40 oft über 85 Prozent. Geprüft nach DIN EN 13141.
Förderung im Neubau?
KfW 297 und 298 (Klimafreundlicher Neubau): zinsgünstiger Kredit bis 150.000 Euro, abhängig von Effizienzhaus Stufe und QNG. KfW 261 gilt nur für die Sanierung.