Einordnung der Norm
DIN 1946-6 trägt den Titel "Raumlufttechnik, Teil 6: Lüftung von Wohnungen". Sie wurde erstmals 1998 veröffentlicht und 2009 grundlegend überarbeitet. Die aktuelle Fassung stammt aus 2019 und wurde 2021 durch eine Berichtigung ergänzt. Sie zählt zu den anerkannten Regeln der Technik. Bauordnungen, das Gebäudeenergiegesetz und Förderprogramme verweisen darauf, sodass die Anwendung praktisch verbindlich ist.
Die Norm ist eng mit weiteren Regelwerken verzahnt. DIN EN 13141 prüft Einzelkomponenten. DIN EN 13779 wurde durch DIN EN 16798-3 abgelöst, die für Nichtwohngebäude gilt. VDI 6038 ergänzt im Bereich technischer Hygiene. Wer planerisch verantwortlich tätig ist, kennt mindestens DIN 1946-6 und ihre Verzahnung zur Lüftung von Nichtwohngebäuden.
1998
Erstausgabe DIN 1946-6
2009
Grundüberarbeitung mit Lüftungskonzept Pflicht
2019
Aktuelle Fassung, ergänzt 2021
Anwendungsbereich
Die Norm gilt für die Planung, Ausführung und Instandhaltung von Lüftungsanlagen in Wohngebäuden. Sie greift bei Neubauten und bei Sanierungen, sobald sich die Luftdichtheit der Gebäudehülle wesentlich ändert. Der häufigste Auslöser ist der Fenstertausch über ein Drittel oder die Sanierung eines Drittels der Dachfläche. Diese Schwellwerte sind seit 2009 in der Norm verankert.
Drei typische Auslöser
- Neubau: Pflicht in jedem Fall, vollständige Auslegung aller vier Stufen.
- Sanierung mit Hülle: Pflicht ab einem Drittel Fenster oder Dach.
- Förderantrag: BAFA und KfW verlangen den Nachweis bei Einzelmaßnahmen.
Abgrenzung zu anderen Regelwerken
Für Schule, Büro und Praxis gilt DIN EN 16798-3. Für die Auslegung dezentraler Geräte greift DIN EN 13141. Bei Hygiene und Wartung ergänzt VDI 6038. Wer mit DIN 1946-6 plant, denkt diese Anschlüsse mit, um spätere Konflikte zu vermeiden.
Vier Lüftungsstufen
DIN 1946-6 definiert vier Lüftungsstufen. Sie spannen den Bogen vom Schimmelschutz bis zur Spitzenlast. Maßgebend ist, dass die unterste Stufe nutzerunabhängig funktioniert. Die übrigen Stufen orientieren sich an der Anwesenheit der Bewohner.
| Stufe | Auslegung | Anwendung | Aktivierung |
|---|---|---|---|
| Feuchteschutz | 0,3 facher Luftwechsel | Mindeststufe gegen Schimmel | nutzerunabhängig |
| Reduzierte Lüftung | 0,5 facher Luftwechsel | Hygiene bei reduzierter Anwesenheit | teil nutzerabhängig |
| Nennlüftung | 0,7 facher Luftwechsel | Standardbetrieb | nutzerabhängig |
| Intensivlüftung | 1,0 facher Luftwechsel | Spitzenlast | nutzerabhängig |
Warum der Feuchteschutz so wichtig ist
Wer den Feuchteschutz ignoriert, riskiert Schimmel an Wärmebrücken. Die Norm fordert, dass diese Stufe ohne Zutun der Bewohner sichergestellt ist. Außenluftdurchlässe in den Schlafzimmerfenstern, Schachtlüftung im Bad oder eine kleine Anlage erfüllen die Anforderung. Ohne diese Lösung greift im Streitfall die Mietminderung. Hintergründe im Glossar Feuchteschutz.
Reduzierte Lüftung als Brücke
Die reduzierte Lüftung greift, wenn die Wohnung tagsüber leer steht. Sie hält Feuchte und Schadstoffe niedrig, ohne die volle Auslegung zu fahren. Anlagen mit Bedarfsregelung schalten in dieser Phase auf eine niedrigere Stufe. So sinkt der Stromaufwand bei gleicher Schutzwirkung.
Auslegung und Berechnung
Die Norm bietet zwei Berechnungswege. Das vereinfachte Verfahren ist für Standardfälle ausreichend und arbeitet mit Tabellenwerten. Das genaue Verfahren rechnet die Volumenströme jeder Wohnung individuell. Beide Wege liefern prüffähige Ergebnisse, sofern die Eingangsgrößen korrekt sind. Eingangsgrößen sind Volumenstrom, Personenzahl, Querlüftungseignung und Klimazone.
Vereinfachtes Verfahren
Funktioniert mit Pauschalwerten je Wohnungsgröße. Es kommt zum Einsatz, wenn keine Sonderfälle vorliegen. Die Tabelle auf der Startseite zeigt typische Auslegungswerte je Wohnfläche.
Genaues Verfahren
Hier rechnet der Planer raumweise. Eingang sind Geometrie, Personenzahl, Belegung und thermische Bedingungen. Das Verfahren ist Pflicht, sobald Sonderlasten vorliegen, etwa bei einer Großküche oder einer Sauna im Wohnraum.
Knackpunkt
Die Wahl des Verfahrens steht im Konzept und ist begründet. Wer ohne Begründung das vereinfachte Verfahren wählt, riskiert eine Rückfrage von Sachverständigen oder Förderstellen.
Verfahrensauswahl
Die Norm trennt freie Lüftung und ventilatorgestützte Lüftung. Die Wahl orientiert sich an Gebäudegröße, Komfortanspruch und Investitionsbudget. Beide Verfahren erfüllen die Norm, sofern die Auslegung korrekt ist.
Freie Lüftung
Sammelbegriff für Fensterlüftung, Schachtlüftung und Querlüftung. Im Bestand klassisch mit Außenluftdurchlässen kombiniert. Stromfrei, geringe Investition. Geeignet für Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und kleine Mehrfamilienhäuser. Mehr unter Fensterlüftung.
Ventilatorgestützte Lüftung
Mechanische Lüftung mit Ventilator. Drei Hauptbauarten: Abluftanlage, Zu Abluft mit Wärmerückgewinnung und dezentrale Geräte. Höherer Komfort, höhere Investition, dauerhafter Stromaufwand zwischen 15 und 80 W je Wohnung.
Wann freie Lüftung passt
Kleines Gebäude, gute Querlüftung, Sanierung mit moderatem Investitionsrahmen, ausreichend Fensterflächen.
Wann mechanische Lüftung passt
Hoher Dämmstandard, Effizienzhaus Niveau, dichte Lage, hoher Komfortanspruch, Bedarf an Wärmerückgewinnung.
Prüffähiger Nachweis
Der Nachweis der DIN 1946-6 ist das Lüftungskonzept selbst. Es enthält Deckblatt, Beschreibung des Gebäudes, Notwendigkeitsprüfung, Berechnung, Verfahrensauswahl, Auslegung der Komponenten, Bilanz und Anhang. Vorlagen und Beispiele unter Beispiel und Muster.
Was prüffähig bedeutet
Prüffähig heißt, dass eine fachkundige Person die Berechnung nachvollziehen kann. Eingang, Annahmen und Rechenweg sind dokumentiert. Sachverständige, BAFA Fachstellen oder Bauaufsicht können den Nachweis ohne Rückfrage akzeptieren.
Pflichtbestandteile
- Deckblatt mit Aussteller, Datum, Unterschrift
- Notwendigkeitsprüfung mit Verweis auf den auslösenden Sachverhalt
- Berechnung der vier Lüftungsstufen
- Auswahl Verfahren je Wohnung oder Raum
- Auslegung der Komponenten mit Datenblättern
- Bilanz Zuluft und Abluft je Wohneinheit
- Hinweise zur Wartung
Praxisfall
Reihenhaus Bestand
Fenstertausch im Bestand
Reihenhaus aus den Achtzigern, gut 130 m² Wohnfläche, 14 Fenster. Eigentümer plant Komplettaustausch im Rahmen der BEG Einzelmaßnahme. Vorher infiltrierte Außenluft über die alten Fugen, Schimmel war kein Thema.
Konzept rechnet im vereinfachten Verfahren. Ergebnis: Feuchteschutz mit 40 m³/h, Nennlüftung 95 m³/h. Empfehlung freie Lüftung mit drei Außenluftdurchlässen je Geschoss, dazu Schachtlüftung im Bad. Investition Komponenten rund 800 Euro, Lüftungskonzept 220 Euro. BAFA akzeptiert die Lösung als Bestandteil der Einzelmaßnahme.
Häufige Fehler in der Anwendung
Fehler 1
Stoßlüftung als Ersatz angesetzt. Stoßlüftung deckt nur die Intensivlüftung ab, nicht den Feuchteschutz.
Fehler 2
Schwellwert Drittel auf Wohnfläche bezogen. Bezugsgröße ist die Anzahl der Fenster oder die Dachfläche.
Fehler 3
Querlüftung ohne gegenüberliegende Außenwände eingesetzt. Norm fordert tatsächliche Querverbindung.
Fehler 4
DIN 1946-6 für Schule oder Büro angewendet. Dort gilt DIN EN 16798-3 mit personenbasierter Auslegung.
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Was regelt DIN 1946-6?
Die Norm regelt die Lüftung von Wohngebäuden, definiert vier Lüftungsstufen, Berechnungsverfahren und Auswahl der Lüftungssysteme.
Welche Versionen der DIN 1946-6 gibt es?
Die aktuelle Fassung stammt aus 2019 und wurde 2021 ergänzt. Vorgängerversionen aus 1998 und 2009 sind zurückgezogen.
Gilt DIN 1946-6 auch für Nichtwohngebäude?
Nein. Für Nichtwohngebäude wie Schule, Büro oder Praxis gilt DIN EN 16798-3, ergänzt durch VDI 6038.
Ist die Norm verpflichtend?
Sie ist anerkannte Regel der Technik. Bauordnungen und Förderprogramme verweisen darauf, sodass die Anwendung praktisch verbindlich ist.
Welche Lüftungsstufen kennt die Norm?
Vier Stufen: Feuchteschutz, reduzierte Lüftung, Nennlüftung und Intensivlüftung.