Was dezentrale Lüftung ist
Eine dezentrale Lüftung sitzt im Raum, der gelüftet werden soll. Das Gerät wird in die Außenwand eingebaut, klassisch als Einzelraumlüfter. Es entfällt das zentrale Kanalnetz, das bei einer zentralen Anlage Zu- und Abluft durch das ganze Gebäude verteilt.
Abgrenzung zur zentralen Anlage
Die zentrale Wohnraumlüftung hat ein Zentralgerät, meist im Technikraum oder im Dachgeschoss, und verteilt die Luft über Rohrleitungen. Die dezentrale Lösung verzichtet auf dieses Netz und arbeitet pro Raum oder Raumgruppe mit einzelnen Geräten. In der DIN 1946-6 werden sie als Einzelraumlüftungsgeräte geführt, einschließlich der alternierenden Push Pull Systeme.
Im Lüftungskonzept werden die Volumenströme dezentraler Anlagen ausschließlich über die Wohnflächenformel ermittelt. Die Personenzahl wird zur Plausibilisierung herangezogen, fließt aber nicht direkt in die Auslegung ein.
Wann sich der Einsatz anbietet
Sanierung im belegten Bestand, Mehrfamilienhaus mit wohnungsweiser Modernisierung, einzelne Schlafzimmer im Altbau, denkmalsensible Bestandsbauten. Überall dort, wo ein zentrales Kanalnetz zu teuer, zu platzraubend oder schlicht nicht möglich ist. Der typische Anlass ist der Fenstertausch mit gleichzeitiger Dämmmaßnahme.
Drei Bauarten, drei Logiken
Prüfgrundlage für alternierende Geräte ist DIN EN 13141-8 in der Ausgabe von Juni 2023, ergänzend die DIBt Prüfgrundsätze LüA 21 und LüA 22.
Bauart 1
Push Pull mit Wärmespeicher
Geräte werden paarweise eingebaut, in zwei Räumen oder in gegenüberliegenden Außenwänden. Ein keramischer Speicherkern lädt sich beim Ausblasen mit der Wärme der Abluft auf und gibt sie beim Richtungswechsel an die Außenluft ab. Wechselzeit typisch ca. 70 Sekunden.
Bauart 2
Reine Abluftgeräte
Klassisch in Bad oder WC. Fördern Abluft nach außen, Zuluft strömt durch Außenluftdurchlässe in den Wohnräumen nach. Keine Wärmerückgewinnung, dafür simpel und robust.
Bauart 3
Zu Abluft ohne Wechselbetrieb
Arbeiten kontinuierlich in eine Richtung, oft mit kleinem Plattenwärmetauscher. Keine Wärmespeicherung wie beim Push Pull, dafür konstanter Volumenstrom.
Wirkungsgrade, Volumenströme, Schallpegel
Marktbreite Werte aus Hersteller Datenblättern und TZWL Prüfberichten. Bei Push Pull Geräten gilt: Der angegebene Volumenstrom pro Gerät entsteht im Wechselbetrieb über je 50 Prozent der Zeit pro Richtung.
| Kennwert | Marktbreite | Anmerkung |
|---|---|---|
| Wärmebereitstellungsgrad | 70 bis 90 Prozent | Hersteller bewerben Spitzen bis 95 Prozent. BAFA fordert seit 2026 mindestens 80 Prozent. |
| Volumenstrom pro Gerät | 15 bis 60 m³/h | Push Pull, je Stufe. Auslegung über Wohnflächenformel nach DIN 1946-6. |
| Geräteanzahl Einfamilienhaus | 6 bis 8 Geräte | Beispiel 120 m² Wohnfläche. 4 Personen Haushalt, Nennlüftung ca. 123 m³/h gesamt. |
| Schallpegel L_pA | 17 bis 40 dB(A) | Modell- und stufenabhängig. Im Schlafzimmer auf untere Stufe achten. |
| Stromverbrauch je Gerät | 0,13 bis 0,25 W/(m³/h) | TZWL Prüfwerte für SEVi 160 Geräte. 6 bis 8 Geräte ergeben rund 80 bis 140 kWh pro Jahr. |
Was beim Einbau beachten
Kernbohrung und Wandaufbau
Die Bohrung hat meist einen Durchmesser von 160 bis 200 Millimeter, abhängig vom Gerätetyp. Empfohlene Mindestwandstärke 30 bis 40 Zentimeter. Wichtig: leichtes Gefälle nach außen, sonst läuft Kondensat ins Wandinnere. 230 Volt Anschluss in Gerätenähe ist erforderlich.
An Innenwänden zu Treppenhäusern, in Wohnungs Trennwänden oder an Brandwänden ist der Einbau heikel oder nicht zulässig. In jedem Fall vorher mit Brandschutz und Schallschutz abgleichen. Wer parallel die Hülle dämmt, sollte den Wärmeschutznachweis mit den geplanten Wandöffnungen rechnen, weil sich die Bilanz mit den Geräten verändert.
Denkmalschutz
Bohrungen in denkmalgeschützte Fassaden sind genehmigungspflichtig. Die Untere Denkmalschutzbehörde entscheidet im Einzelfall. Diskrete Außenblenden oder die Integration in vorhandene Fenstersysteme erleichtern die Genehmigung, ersetzen sie aber nicht.
Bauphase
Offene Kernbohrungen ohne Schutz lassen Staub und Feuchte eindringen. Geräte erst nach Abschluss aller Staubarbeiten endgültig montieren, Filter erst kurz vor der Inbetriebnahme einsetzen. Wer das übergeht, tauscht im ersten Betriebsjahr Filter doppelt so oft.
Filter, Wartung, Hygiene
Filterklassen werden seit 2018 nach DIN EN ISO 16890 bezeichnet, mit Bezeichnungen ISO Coarse, ePM10, ePM2,5 und ePM1. Die alten G und F Klassen sind raus.
In dezentralen Geräten ist Standardausstattung der ISO Coarse oder ePM10 Filter. Optional gibt es ePM1 Feinstaubfilter, sinnvoll an stark befahrenen Straßen, in Allergiker Haushalten und bei Innenstadtlage. Marktpreise: ePM10 zwischen 15 und 40 Euro pro Stück, ePM1 zwischen 20 und 60 Euro.
Wechselintervall: Sichtprüfung alle drei Monate, Filterwechsel halbjährlich, spätestens jährlich. Reale Standzeit hängt vom Standort ab. Stadt und Pollensaison verkürzen, Land und Winter verlängern.
Den Filterwechsel können Bewohner selbst übernehmen. Aufwendigere Wartung am Wärmespeicher und Ventilator macht der Fachbetrieb, einmal jährlich genügt. Einzelheiten zur Hygieneprüfung nach VDI 6038 finden Sie auf der Seite Hygieneprüfung.
Was die Sache kostet
Marktpreise pro Gerät und Komplettlösung pro Wohneinheit. Stand 2026, Endkundenpreise inklusive Montage.
| Position | Preisspanne | Hinweis |
|---|---|---|
| Basismodell ohne WRG | 250 bis 500 Euro | Reines Abluftgerät, Filterstandard |
| Standard mit Wärmerückgewinnung | 500 bis 900 Euro | Push Pull, ISO Coarse Filter |
| Premium mit ePM1 und Steuerung | 900 bis 1.500 Euro | App Steuerung, Sensor, Feinstaubfilter |
| Montage je Gerät | 200 bis 400 Euro | Kernbohrung, Anschluss, Inbetriebnahme |
| Komplettlösung Einfamilienhaus | 5.000 bis 7.000 Euro | 120 m², 6 bis 8 Geräte, mit Montage |
Variabel ist der Aufwand für die Kernbohrung in dicken Massivwänden, in Klinkerfassaden oder bei Denkmalauflagen. Im Einzelfall können sich Montagekosten verdoppeln, das gehört in das Angebot vor der Beauftragung.
BAFA Förderung 2026
Dezentrale Lüftungsanlagen sind über die Bundesförderung effiziente Gebäude Einzelmaßnahme förderfähig. Basis Zuschuss 15 Prozent der förderfähigen Kosten, mit iSFP Bonus 20 Prozent, maximal 30.000 Euro pro Wohneinheit und Jahr, mit iSFP 60.000 Euro.
Voraussetzungen: Bestandsgebäude mit Mindestalter fünf Jahre, Anlage mit Wärmebereitstellungsgrad mindestens 80 Prozent, Einbindung eines Energieeffizienz Experten, Antrag vor Beauftragung des Fachunternehmens. Hinweis: Die Förderkonditionen werden regelmäßig nachjustiert. Vor einem Antrag den aktuellen Stand auf bafa.de gegenchecken.
Stärken und Schwächen ehrlich
Wo dezentral gewinnt
Einfache Nachrüstung im Bestand: Kernbohrung statt Kanalführung quer durch die Wohnung. Im Mehrfamilienhaus lassen sich einzelne Wohnungen modernisieren, ohne andere Mieter zu stören. Kein zentrales Brandschutz Konzept mit Brandschutzklappen erforderlich. Niedrigere Investition. Individuelle Steuerung pro Raum. Kürzere Bauzeit.
Wo dezentral verliert
Im Mittel niedrigerer Wärmebereitstellungsgrad als zentrale Gegenstrom Wärmetauscher. Geräusch sitzt direkt im Raum, im Schlafzimmer relevant. Anfälliger für Windeinfluss auf der Fassade, der die Druckverhältnisse beeinflusst. Sichtbare Außenblenden, gestalterisch heikel an Sichtfassaden. Mehr Wartungspunkte, weil jedes Gerät seinen eigenen Filter hat.
Branchenkonsens: dezentral besonders im Sanierungsbestand und im Mehrfamilienhaus mit wohnungsweiser Modernisierung. Im Neubau und im Passivhaus ist die zentrale Anlage mit Wärmerückgewinnung meist die effizientere Wahl.
Acht typische Fehler
Aus laufenden Beratungsprojekten. Wer diese acht Punkte vor der Beauftragung klärt, hat das Wesentliche im Griff.
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01
Bohrungsdurchmesser ungenau
Weicht die Bohrung von der Hersteller Spezifikation ab, kommt es zu Undichtigkeit oder Vibration. Bohrer und Maß vorher abgleichen.
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02
Kein Außengefälle
Bei waagrechter oder nach innen geneigter Bohrung läuft Kondensat ins Mauerwerk. Folge: Nasse Wand, Schimmel.
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03
Position hinter Möbeln
Wenn das Gerät direkt hinter Schrank oder Bett sitzt, fehlt die Querströmung im Raum. Auslegungsempfehlung diagonal gegenüber zur Tür.
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04
Push Pull ohne Paarung
Push Pull Geräte funktionieren nur paarweise mit hydraulischem Abgleich. Einzelgerät als Wechseltauscher betrieben liefert keinen sinnvollen Volumenstrom.
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05
Schallschutz vergessen
In MFH Trennwänden zwischen Wohnungen sind Schall- und Brandschutzanforderungen einzuhalten. Geräte gehören in die Außenwand, nicht in die Trennwand.
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06
Bauphasen Verschmutzung
Offene Kernbohrungen ohne Schutz lassen Staub eindringen. Geräte erst nach Abschluss der Staubarbeiten einbauen.
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07
Filterwechsel unterschätzt
Verschmutzte Filter erhöhen Druckverlust und senken den Volumenstrom unbemerkt. Sichtprüfung alle drei Monate, Wechsel mindestens einmal pro Jahr.
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08
Auslegung ohne Plausibilisierung
Reine Wohnflächenformel ohne Personenzahl Check führt zu Unter- oder Überdimensionierung. Vier Personen auf 60 Quadratmetern brauchen mehr als die Formel hergibt.
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Vertiefung in den thematischen Nachbarn.
Verfahren
Wärmerückgewinnung
Wirkungsgrade zentraler und dezentraler Anlagen, Bypass, ErP Klassen.
Praxis
Lüftung im Altbau
Dezentrale Geräte sind hier oft die pragmatischste Lösung.
Förderung
BAFA Förderung
20 Prozent Zuschuss mit iSFP, Voraussetzungen und Antragsweg.
iSFP
Individueller Sanierungsfahrplan
Bonus auf BEG Maßnahmen, gilt 15 Jahre.
Wartung
Hygieneprüfung
VDI 6038 für Wohnungslüftung, Filterintervalle, Wartungsplan.
Norm
DIN 1946-6
Die Norm hinter dezentralen Auslegungen, Wohnflächenformel.
Weiterlesen
Konzept vor der Bohrung
Bevor das erste Gerät an der Wand sitzt, gehört die Auslegung in ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6. Wir liefern den Nachweis in fünf Werktagen, ab 149 Euro für das Einfamilienhaus.
Schnellcheck startenHäufige Fragen
Wie viele dezentrale Geräte braucht ein Einfamilienhaus?
Für ein typisches Einfamilienhaus mit etwa 120 Quadratmetern Wohnfläche werden in der Praxis 6 bis 8 Geräte gerechnet. Pro Gerät ergibt das 20 bis 30 Quadratmeter Raumfläche, abhängig von Geometrie und Lüftungsstufe.
Wie laut sind dezentrale Lüfter?
Marktbreite 17 bis 40 dB(A), je nach Modell und Stufe. Auf der untersten Stufe sind moderne Geräte im Schlafzimmer kaum wahrnehmbar. Vor dem Kauf das Datenblatt für genau die geplante Stufe ansehen, nicht den Bestwert.
Welchen Wärmebereitstellungsgrad muss eine BAFA fähige Anlage erreichen?
Mindestens 80 Prozent. Marktübliche Push Pull Geräte erreichen 80 bis 90 Prozent. Werte über 90 Prozent stammen meist aus Hersteller Datenblättern und sind im Realbetrieb nicht immer reproduzierbar.
Reicht ein einziges Gerät für die ganze Wohnung?
Nein. Push Pull Geräte funktionieren nur paarweise. Reine Zu- oder Abluftgeräte können einzeln stehen, sichern dann aber nicht den nutzerunabhängigen Feuchteschutz nach DIN 1946-6, weil die nachströmende Luft unkontrolliert über Fugen oder Außenluftdurchlässe einströmt.
Was kostet eine dezentrale Lüftung im Einfamilienhaus komplett?
Komplettlösung mit 6 bis 8 Geräten inklusive Montage typisch 5.000 bis 7.000 Euro. Aufwendige Bohrungen, Premium Geräte oder Denkmalauflagen heben den Preis.
Welche Filter sind in dezentralen Geräten verbaut?
Standard ist ISO Coarse oder ePM10. Optional ePM1 für Allergiker oder Innenstadtlagen. Wechsel halbjährlich, mindestens jährlich, mit Sichtprüfung alle drei Monate.
Sind dezentrale Geräte im Denkmal zulässig?
Bohrungen in denkmalgeschützte Fassaden sind genehmigungspflichtig. Die zuständige Untere Denkmalschutzbehörde entscheidet im Einzelfall, oft mit Auflagen zur Außengestaltung.
Lohnt sich dezentral oder zentral?
Faustregel: dezentral im Sanierungsbestand und in Mehrfamilienhäusern mit wohnungsweiser Modernisierung, zentral im Neubau und im Passivhaus. Im Einzelfall hängt die Entscheidung an Geometrie, Belegung und Heizgradtagen.