Lüftung im Bestand

Lüftungsanlage nachrüsten, so klappt es im Bestand.

Eine Lüftungsanlage lässt sich in fast jedes bestehende Haus und in jede Wohnung nachrüsten. Sinnvoll ist das vor allem, wenn neue Fenster oder eine Dämmung die Hülle dicht machen, wenn Feuchte und Schimmel auftreten oder wenn ohnehin umfassend saniert wird. Ob eine zentrale Anlage mit Kanalnetz, dezentrale Geräte oder eine einfache Abluftanlage passt, entscheiden Grundriss, mögliche Kanaltrassen und der Sanierungsumfang. Am Anfang steht ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6, gefördert wird der Einbau mit 15 Prozent.

Wann ist es sinnvoll, eine Lüftungsanlage nachzurüsten?

Alte Häuser lüften sich über undichte Fenster und Fugen zum Teil selbst. Dieser ungeplante Luftwechsel fällt weg, sobald die Hülle saniert wird. Typische Anlässe für eine nachträgliche Lüftung sind:

  • Austausch von mehr als einem Drittel der Fenster oder Sanierung von mehr als einem Drittel der Dachfläche, die Regel erklärt die Seite Fenstertausch
  • Feuchte, beschlagene Fenster oder Schimmel in Schlafzimmer, Bad oder Außenecken
  • innenliegende Bäder und WCs ohne funktionierende Schachtlüftung
  • Lärm oder Pollen von außen, bei denen die Fenster nachts geschlossen bleiben sollen
  • eine Kernsanierung, bei der Decken, Böden oder Trockenbau ohnehin geöffnet werden
  • der Wunsch, Lüftungswärmeverluste mit Wärmerückgewinnung zu senken

Nicht jedes Haus braucht danach eine Anlage mit Ventilatoren. Wenn die freie Lüftung über Außenluftdurchlässe und Schacht den Feuchteschutz schafft, ist das die einfachere Lösung. Welche Verfahren im Altbau üblich sind und was sie grob kosten, zeigt die Seite Altbau.

Das Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 als erster Schritt

Bevor ein Gerät ausgewählt wird, klärt das Lüftungskonzept, ob eine lüftungstechnische Maßnahme nötig ist und wie groß sie sein muss. Die Norm vergleicht dazu den Luftwechsel, den das Gebäude nach der Sanierung noch über Undichtheiten erreicht, mit dem Luftvolumenstrom für den Feuchteschutz. Reicht die Infiltration nicht aus, ist eine Maßnahme erforderlich. Die vier Lüftungsstufen und die Verfahren erklärt die Seite DIN 1946-6.

Für eine Nachrüstung liefert das Konzept die Daten, mit denen ein Fachbetrieb ein Angebot erstellen kann:

  • Volumenströme je Raum für Feuchteschutz, reduzierte Lüftung, Nennlüftung und Intensivlüftung
  • Einteilung in Zuluftbereich, Abluftbereich und Überströmbereich
  • Empfehlung für das System und die Lage der Außenluftdurchlässe oder Geräte
  • Hinweise zu Feuerstätten, Schall und Brandschutz, soweit sie die Lüftung betreffen

Bei geförderten Maßnahmen an der Gebäudehülle, welche die Luftdichtheit erhöhen, verlangt die BEG einen Nachweis über die Notwendigkeit lüftungstechnischer Maßnahmen, zum Beispiel nach DIN 1946-6. Wer Fenster und Lüftung zusammen saniert, nutzt dasselbe Konzept für beide Maßnahmen.

Zentral, dezentral oder Abluft: was im Bestand geht

Im Bestand ist nicht die Technik das Problem, sondern der Weg, den die Luft nehmen muss. Die Tabelle ordnet die drei mechanischen Varianten nach dem baulichen Eingriff.

VarianteBaulicher EingriffWärmerückgewinnungPasst, wenn
Zentrale AnlageKanalnetz durch mehrere Räume, Durchbrüche in Decken oder Wänden, Platz für das GerätjaTrassen über Dachboden, Keller oder Flurdecke möglich sind oder ohnehin kernsaniert wird
Wohnungszentrale Anlagekleines Gerät je Wohnung, kurze Kanäle innerhalb der WohnungjaWohnungen im Mehrfamilienhaus einzeln saniert werden
Dezentrale GeräteKernbohrungen in der Außenwand, Stromanschluss je Gerätja, bei Push Pull Gerätenkein Kanalnetz möglich ist, die Außenwände dick genug sind und Zimmer an der Fassade liegen
AbluftanlageVentilator im Bad oder zentral, Außenluftdurchlässe in den Wohnräumenneinder Feuchteschutz im Vordergrund steht und das Budget knapp ist

Mischformen sind im Bestand üblich: etwa eine zentrale Anlage für die Obergeschosse über den Dachboden und dezentrale Geräte im Erdgeschoss, oder eine Abluftanlage für innenliegende Bäder kombiniert mit Außenluftdurchlässen. Entscheidend ist, dass das Konzept die Wohnung als Ganzes betrachtet und der Feuchteschutz in jeder Nutzungseinheit erreicht wird.

Wo verlaufen die Kanäle einer nachgerüsteten zentralen Anlage?

Im Neubau verschwinden die Leitungen in Decke oder Estrich. Im Bestand fehlt dieser Platz meist, deshalb werden die Trassen dort gesucht, wo sie wenig stören.

Dachboden und Spitzboden

Ein nicht ausgebauter Dachboden ist die häufigste Trasse. Die Leitungen laufen dort oberhalb der obersten Geschossdecke und führen von oben in die Räume darunter. Liegen sie außerhalb der gedämmten Hülle, brauchen sie eine Wärmedämmung.

Abgehängte Flurdecke

Der Flur ist meist Überströmzone und verträgt eine um einige Zentimeter abgehängte Decke. Darin laufen die Leitungen, die Zuluft gelangt über Auslässe in der Flurwand oder Weitwurfdüsen in die angrenzenden Räume.

Keller, Schächte, Kofferungen

Vom Keller führen Leitungen über vorhandene Schächte, Kofferungen in Ecken oder Einbauschränke nach oben. Stillgelegte Schornsteinzüge kommen nur nach Prüfung durch den Schornsteinfeger infrage.

Mehrfamilienhaus und Brandschutz

Wo Leitungen Decken oder Wände mit Brandschutzanforderungen durchdringen, gelten die Landesbauordnung und die Lüftungsanlagen Richtlinie des Landes. Das betrifft vor allem Mehrfamilienhäuser und ist ein Grund, dort wohnungsweise oder dezentral zu planen. Eingriffe in Gemeinschaftseigentum wie Fassade oder Treppenhaus brauchen in einer Eigentümergemeinschaft einen Beschluss.

Bauablauf in sieben Schritten

Die Reihenfolge ist wichtig, weil die Förderung an den Zeitpunkt des Vertragsabschlusses geknüpft ist und weil Staub aus der Bauphase nicht in die Kanäle gelangen soll.

  1. 01

    Bestand aufnehmen

    Pläne, Raumgrößen, Feuchteschäden, Feuerstätten und mögliche Trassen erfassen. Fehlen Pläne, hilft ein Termin vor Ort.

  2. 02

    Lüftungskonzept

    Notwendigkeit prüfen, Volumenströme je Raum berechnen, System empfehlen.

  3. 03

    Anlage planen

    Gerät, Kanalnetz, Schalldämpfer, Auslässe und Brandschutz festlegen, Angebot einholen.

  4. 04

    Förderung beantragen

    Energieeffizienz Experten einbinden, Vertrag mit Bedingung der Förderzusage schließen, dann den Antrag stellen.

  5. 05

    Einbauen

    Kanäle während der Bauphase verschließen, Gerät erst nach staubigen Arbeiten in Betrieb nehmen.

  6. 06

    Einregulieren

    Volumenströme je Auslass messen und einstellen, Ergebnis im Einregulierungsprotokoll festhalten.

  7. 07

    Übergeben

    Einweisung, Wartungsplan, Filtertermine, Verwendungsnachweis über den Experten einreichen.

Kaminofen und Lüftungsanlage

Eine Lüftungsanlage kann im Raum einen Unterdruck erzeugen. Bei einer raumluftabhängigen Feuerstätte wie einem Kaminofen kann das Abgas in den Wohnraum ziehen. Üblich sind eine raumluftunabhängige Feuerstätte oder eine Sicherheitseinrichtung, die beide Anlagen gegenseitig überwacht. Das stimmen Sie vor dem Einbau mit dem bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger ab.

Zur Luftdichtheit: Eine Anlage mit Wärmerückgewinnung arbeitet am besten in einer dichten Hülle. Die Förderung nennt die Luftdichtheitsmessung ausdrücklich als förderfähige Begleitmaßnahme, sie lohnt sich vor allem nach Fenstertausch und Dachsanierung.

Was kostet das Nachrüsten? Eine Beispielrechnung

Pauschale Preise für die Nachrüstung gibt es nicht, weil Trassen, Durchbrüche und Malerarbeiten von Haus zu Haus anders ausfallen. Die folgende Rechnung ist ein Beispiel mit Annahmen oberhalb der Orientierungswerte, die auf den Seiten Wärmerückgewinnung und dezentrale Lüftung genannt sind. Sie ersetzt kein Angebot.

Annahmen des Beispiels

Einfamilienhaus im Bestand, Bauantrag vor mehr als fünf Jahren, eine Wohneinheit, Fenster bereits erneuert.

Variante A zentral: Gerät mit Wärmerückgewinnung, Kanäle über den Dachboden und eine abgehängte Flurdecke, angenommene Gesamtkosten 12.000 Euro brutto inklusive Durchbrüche, Schalldämmung, Malerarbeiten und Einregulierung.

Variante B dezentral: sieben Push Pull Geräte mit Montage, angenommen 6.000 Euro brutto.

Fachplanung und Baubegleitung durch einen Energieeffizienz Experten, einschließlich Lüftungskonzept, angenommen 1.000 Euro brutto.

PositionVariante A zentralVariante B dezentral
Angenommene Kosten der Anlage12.000 Euro6.000 Euro
Zuschuss Anlagentechnik 15 %1.800 Euro900 Euro
Fachplanung und Baubegleitung, 50 % von 1.000 Euro500 Euro500 Euro
Zuschuss gesamt2.300 Euro1.400 Euro
Eigenanteil inklusive Fachplanung10.700 Euro5.600 Euro

Ein iSFP Bonus spielt in diesem Beispiel keine Rolle, weil er nur auf förderfähige Ausgaben oberhalb von 30.000 Euro wirkt. Hinzu kommen laufende Kosten für Strom, Filter und Wartung, die auf der Seite zur Wärmerückgewinnung aufgeführt sind. Das Lüftungskonzept allein bieten wir online ab 149 Euro für ein Einfamilienhaus an. Gefördert mit 50 Prozent wird es nur, wenn ein Energieeffizienz Experte es als Fachplanung erbringt.

Förderung für die nachgerüstete Lüftung

Gefördert wird über die BEG Einzelmaßnahme Anlagentechnik mit 15 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Die Höchstgrenze liegt bei 30.000 Euro für die erste Wohneinheit, mit iSFP Bonus bei 60.000 Euro. Die technischen Mindestwerte für Wärmebereitstellungsgrad und Ventilatorleistung stehen auf der Seite zentrale Lüftungsanlage, sie gelten für zentrale, dezentrale und raumweise Geräte gleichermaßen. Stand Oktober 2026.

  • Antrag vor Vorhabenbeginn, mit einem Vertrag, der unter der Bedingung der Förderzusage steht
  • Energieeffizienz Experte ist für Anlagentechnik Pflicht und bestätigt nach Abschluss die Mindestanforderungen
  • Fachplanung und Baubegleitung mit 50 Prozent, förderfähig sind im Ein und Zweifamilienhaus höchstens 5.000 Euro, im Mehrfamilienhaus 2.000 Euro je Wohneinheit, insgesamt höchstens 20.000 Euro
  • Umfeldmaßnahmen wie Wand und Durchbrucharbeiten, Verkleidungen, anteilige Putzarbeiten und Malerarbeiten sind förderfähig
  • bei Eigenleistung wird nur das Material gefördert, wenn Experte oder Fachunternehmer die fachgerechte Ausführung bestätigen

Wie der Antrag zusammen mit einem Fenstertausch abläuft, zeigt das Beispiel auf der Seite BAFA Förderung.

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Häufige Fragen

Kann man eine zentrale Lüftungsanlage im Altbau nachrüsten?

Ja, wenn sich Trassen für das Kanalnetz finden. Am häufigsten laufen die Leitungen über den Dachboden, durch eine abgehängte Flurdecke oder über Schächte aus dem Keller. Gibt es keine Trasse, sind dezentrale Geräte die Alternative.

Lohnt sich eine Lüftungsanlage in einem ungedämmten Altbau?

Eine Anlage mit Wärmerückgewinnung spart vor allem in einer dichten Hülle Energie. Ist das Haus noch sehr undicht, geht viel Luft an der Anlage vorbei. Dann reichen oft Außenluftdurchlässe oder eine Abluftanlage, das Lüftungskonzept zeigt, was nötig ist.

Brauche ich für die Nachrüstung eine Genehmigung?

Das regelt die Landesbauordnung. Bohrungen in denkmalgeschützte Fassaden sind genehmigungspflichtig, in Eigentümergemeinschaften braucht ein Eingriff in das Gemeinschaftseigentum einen Beschluss. Im Mehrfamilienhaus kommen Brandschutzanforderungen an Durchdringungen hinzu.

Kann ich die Lüftungsanlage selbst einbauen und trotzdem Förderung bekommen?

Bei Eigenleistung fördert die BEG nur das Material, und nur wenn ein Energieeffizienz Experte oder ein Fachunternehmer die fachgerechte Ausführung und die Materialausgaben bestätigt. Die Einregulierung sollte ein Fachbetrieb übernehmen.

Wird beim Nachrüsten viel Dreck gemacht?

Bei dezentralen Geräten beschränkt sich der Schmutz auf die Kernbohrungen. Bei einer zentralen Anlage entstehen Durchbrüche und Trockenbauarbeiten, die Malerarbeiten nach sich ziehen. Diese Umfeldarbeiten sind anteilig förderfähig.

Brauche ich nach dem Fenstertausch immer eine Lüftungsanlage?

Nein. Nach dem Fenstertausch ist ein Lüftungskonzept nötig, wenn mehr als ein Drittel der Fenster erneuert wird. Das Konzept kann auch ergeben, dass Außenluftdurchlässe und eine Schachtlüftung im Bad genügen.

Über den Autor

Burak Uzun

Betreiber, redaktionelle Verantwortung · Köln

Verantwortlich für Recherche und Aufbereitung der Inhalte zum Lüftungskonzept nach DIN 1946-6, Feuchteschutz, reduzierter Lüftung und Nennlüftung sowie nach DIN EN 16798-3 für Nichtwohngebäude.

Anbieter und Impressum Kontakt Stand: 26. Oktober 2026
Methodik

Über diese Inhalte, Quellen und Aktualisierung

Quellenbasis
  • DIN 1946-6 Wohnungslüftung
  • BEG EM Richtlinie vom 20.07.2026, Nr. 2, 5.2, 8.4.7, 9.2.1, 9.3 und Technische Mindestanforderungen
  • Infoblatt BEG Einzelmaßnahmen, Version 11.0, 09/2026, Nr. 3.1 und 6.1.1
  • Orientierungswerte Kosten wie auf den Seiten Wärmerückgewinnung und dezentrale Lüftung
Aktualisierung

Inhalte werden überprüft, wenn sich Vorschriften, Normen oder Förderlogik ändern. Stand dieser Seite: 26. Oktober 2026. Frühere Stände sind über das Impressum nachfragbar.

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